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Animes in den 1970er-Jahren

"Wickie und die starken Männer" (Erstausstrahlung in Deutschland: 1974–1976)

Hey, hey, Wickie, hey, Wickie, hey! Mitte der 1970er-Jahre setzte die Serie um den kleinen, intelligenten Rotschopf die Segel an und brachte den Wikingerjungen und seine Freunde (friedlich) in weite Teile der europäischen Wohnzimmer. Doch was viele nicht wissen: Die Kinderserie wurde tatsächlich in Japan produziert. Zurückzuführen war dies auf eine Initiative des damaligen Leiters des Kinder- und Jugendprogramms des ZDF, Josef Göhlen, der die in den 1960er-Jahren verfasste schwedische Kinderbuchreihe von Runer Jonsson unbedingt als Serie verfilmen wollte. Aus Kostengründen hatten er und der österreichische Kooperationspartner ORF beschlossen, die Geschichte vom japanischen Zeichentrickstudio "Zuiyo Enterprise" (heute "Nippon Animation") zeichnen zu lassen, und so entstanden insgesamt 78 Episoden voller kluger Einfälle, von denen uns noch heute die Nase juckt.

Interessant: Unter den jungen Zuschauern von "Wickie" befand sich auch der japanische "One Piece"-Erfinder Eiichirō Oda, der durch die Serie ein Interesse für Piraten entwickelte und dieses bekannterweise nie verlor.

"Biene Maja" (Erstausstrahlung in Deutschland: 1976–1980)

In einem unbekannten Land vor gar nicht allzu langer Zeit war eine Biene sehr bekannt, von der sprach alles weit und breit. Und diese Biene, die wir meinen, nennt sich Maja! Ja, ihr habt richtig gelesen: Die allseits beliebte Kinderserie über das Leben der kleinen Honigbiene mit dem unvergesslichen Intro von Karel Gott ist eigentlich ein Anime. Verantwortlich dafür war erneut Josef Göhlen, der erneut das Studio "Zuiyo Enterprise" mit ins Boot holte und sich mit dem Maja-Erfolg den lebenslangen Spitznamen "Insekten-Jupp" verdiente. Insgesamt entstanden 104 spannende Abenteuer, die lediglich die Drohne Willi das eine oder andere Mal zum Einschlafen brachten.

Übrigens fliegt die deutsche Maja-Synchronsprecherin Scarlet Cavadenti noch heute durch die Lüfte – weil sie als Synchronsprecherin von Team Rockets Jessie in "Pokémon" des Öfteren in den Ofen geschossen wird.

Weitere berühmte Anime-Serien, die in Deutschland in den 1970er-Jahren ausgestrahlt wurden: Pinocchio (1977–1978), Heidi (1977–1978).

Animes in den 1980er-Jahren

"Captain Future" (Erstausstrahlung in Deutschland: 1980–1982)

Hatten es nach Deutschland in den 1970er-Jahren zunächst nur Kinderserien geschafft, stellte die von "Tōei Animation" produzierte Serie "Captain Future" als Anime aus dem Science-Fiction-Genre eine Neuheit dar und sprach eine größere Zielgruppe an. Seit 1980 konnte das deutsche Publikum in 40 Episoden die Abenteuer des auf dem Mond aufgewachsenen Curtis Newton und seiner Verbündeten erleben, die mit dem Raumschiff "Comet" im Weltall für Recht und Ordnung sorgten. Der Umstand, dass die Folgen oft nicht in chronologischer Reihenfolge gesendet wurden, taten der Begeisterung für die Serie keinen Abbruch. Actionfiguren und Kartenspiele zur Serie wurden ein echter Verkaufsschlager. Der von Christian Bruhn extra für Deutschland erstellte Titelsong erreichte internationalen Kultstatus und sorgt noch heute bei den Fans für Gänsehaut.

Das neue Fernsehformat begeisterte jedoch nicht alle gleichermaßen: Die Serie musste trotz Kürzungen und Zensur große Proteste und Anfeindungen gesellschaftlicher Gruppen über sich ergehen lassen und wurde von vielen Erwachsenen als Gefahr für die Jugend angesehen – gut, dass Captain Future am Ende immer siegt.

Animes in den 1990er-Jahren

"Captain Tsubasa: Die tollen Fußball-Stars" (Erstausstrahlung in Deutschland: 1995–1996)

Der Erfolg von "Captain Future" sollte im Deutschland der 1980er-Jahre eine Ausnahme für Anime-Serien sein, da actionreichere Serien für Kinder mit einiger Skepsis beäugt wurden und Animes durch den Erfolg von erotischen Streifen in Videotheken gegen einen negativen Ruf anzukämpfen hatten. Zahlreiche Formate, die in Japan bereits zu dieser Zeit erfolgreich liefen, kamen erst Mitte der 1990er-Jahre in die Bundesrepublik. Dies galt beispielsweise mit Tsubasa Ozora für einen weiteren Captain, der einen mindestens genauso gefährlichen Schuss draufhatte wie Captain Future. In 128 Folgen der von "Tsuchida Production" animierten Serie begeisterte das japanische Fußballtalent die Zuschauer, indem er ein ums andere Mal alle Gesetze der Physik auf einmal aushebelte. Als legendär gelten bis heute seine Sprints über die vermutlich längsten Fußballplätze der Welt.

Super Kickers
© KSM Gmbh

Die Serie wurde seit der Erstveröffentlichung mehrere Male neu aufgelegt und war nachweislich Motivation für junge Fußballspieler einer ganzen Generation. Besonders in Japan sorgte sie für einen Fußball-Boom, der in Deutschland bereits bestand. Doch war es wirklich Zufall, dass das DFB-Team nur ein Jahr nach Beginn der Erstausstrahlung Europameister wurde? Wir meinen: Nein.

"Sailor Moon" (Erstausstrahlung in Deutschland: 1995–1998)

Millionen von Mädchen und Jungen bekamen in den 1990er-Jahren endlich die Gewissheit, dass Frauen die Welt auch sehr gut allein retten können. In 200 Folgen des von "Tōei Animation" entwickelten Animes traten die tollpatschige Usagi Tsukino und ihre Freundinnen für Liebe und Gerechtigkeit und gegen böse, mystische Kräfte ein. Dass die Hauptcharaktere zeitgleich mit allen Tücken der Pubertät kämpfen mussten und die Zuschauer ihren Heldinnen beim Älterwerden zusehen konnten, verlieh der Serie weiteren Charme.

Umfragen aus den 2000er-Jahren belegen, dass "Sailor Moon" für viele Manga-Leser der erste war, mit dem sie in Berührung kamen. Auch der Anime überzeugte Millionen. Nicht überraschend, dass die Geschichte 2014 mit "Sailor Moon Crystal" noch einmal neu aufgelegt wurde.

"Nadia: Die Macht des Zaubersteins" (Erstausstrahlung in Deutschland: 1996)

Ein echter Geheimtipp unter deutschen Anime-Fans, wenn es um prägende Serien der 1990er-Jahre geht, ist die 39-teilige Serie des Studios "Gainax". Die an Jules Vernes "20.000 Meilen unter dem Meer" angelehnte Story handelt von dem 13-jährigen Erfinder Jean und der jungen Zirkusakrobatin Nadia. Ende des 19. Jahrhunderts müssen sie zum Schutz eines blauen, magischen Steins vor üblen Schurken rund um die Welt fliehen.

Nadia
© NHK, NEP

Der Anime besticht durch einen spannenden und wendungsreichen Entwicklungsstrang. Zudem verfügt die Serie über gut ausgearbeitete Charaktere und schöne Animationen. Grundzüge der Handlung wurden schon von Hayao Miyazaki höchstpersönlich in den 1970er-Jahren entwickelt. Da das Projekt aber zum damaligen Zeitpunkt nicht verwirklicht wurde, arbeitete er zahlreiche Motive in sein Meisterwerk "Das Schloss im Himmel" von 1986 ein.

"Dragon Ball" (Erstausstrahlung in Deutschland: 1999–2019)

Ein weiterer Publikumsmagnet in Deutschland war der Anime "Dragon Ball" aus dem "Tōei Dōga Studio". Obwohl die erste Serie bereits 1986 ihren Weg ins japanische Fernsehen gefunden hatte und dort mit "Dragon Ball Z" (1989) und "Dragon Ball GT" (1996) erfolgreich fortgesetzt wurde, dauerte es bis zum Ende der 1990er-Jahre, bis man sich auch in Deutschland sicher war, dass die Ausstrahlung des Animes gut angenommen werden könnte. Von da an war er aber auch hierzulande eine Erfolgsgeschichte. Weit über eine Million Zuschauer schauten Anfang der 2000er-Jahre im Schnitt dem jungen Krieger Son Goku dabei zu, wie er die mächtigen sieben Dragon Balls fand und die Welt das ein ums andere Mal vor Gefahren  rettete. "Dragon Ball" verband ein komplexes Figurenuniversum mit viel Humor und eindrucksvollen Kämpfen. Darüber hinaus wurde die Geschichte stets weiterentwickelt und die Fans sahen, wie ihre Helden erwachsen wurden.

Kein Wunder also, dass der "Dragon Ball"-Hype auch heute noch nicht abgeebbt ist. Der Anime ist mittlerweile bei über 600 Folgen angekommen. Dazu erschienen mehrere Kinofilme.

"Pokémon" (Erstausstrahlung in Deutschland: 1999–heute)

Über nur 600 Folgen und das Sammeln von lediglich sieben "Dragon Balls" kann die Serie "Pokémon" aus dem Studio "OLM" nur lachen. Seit 1999 verfolgt der (bis heute) 10 Jahre alte Junge Ash Ketchum aus Alabastia auch in Deutschland das Ziel, mit seinem Kumpel Pikachu Pokémon-Meister zu werden. In weit über 1.000 Folgen der Anime-Serie und mehr als 20 Kinofilmen sind sie bereits über 900 verschiedenen Taschenmonstern begegnet, fuhren epische Siege, aber auch deprimierende Niederlagen ein. Kaum ein Anime verkörpert seinen jungen und alten Fans deshalb die Einstellung des "Niemals aufgeben!" so sehr wie "Pokémon" und prägte mit diesem Leitmotiv bereits mehrere Generationen. Verliert man, erfolgt einfach ein neuer Anlauf – sofern zwischengespeichert wurde, sogar ohne Geldverlust.

Zugegeben: Die Serie lebt inzwischen vor allem von ihrem Kultstatus. Allerdings gilt sie noch heute für Millionen Pokémon-Liebhaber als treuer Begleiter, da diese seit Jahrzehnten die Videospiele spielen, Karten tauschen und immer wieder in die fantastische Welt der Pokémon eintauchen wollen. Nicht zufällig ist das Pokémon-Franchise mit einem geschätzten Jahresumsatz von über 100 Milliarden US-Dollar immer noch das wertvollste Medien-Franchise der Welt.

Animes in den 2000er-Jahren

"Detektiv Conan" (Erstausstrahlung in Deutschland: 2002-heute)

Der wohl berühmteste Anime-Detektiv Conan Edogawa eroberte Anfang der 2000er die Herzen zahlloser Fans. Der junge Meisterdetektiv Shin'ichi Kudo löst jeden kniffligen Fall problemlos und lässt dabei oft auch die Polizei alt aussehen. Doch eines Tages mischt er sich in die Angelegenheiten einer mysteriösen Organisation ein. Die Männer in Schwarz verabreichen ihm ein unerprobtes Gift, das ihn auf die Größe eines Grundschulkindes schrumpft. Damit nicht rauskommt, dass er noch lebt, muss er ein unauffälliges Leben als das Kind Conan Edogawa führen. Er kommt bei seinem Schwarm Ran und ihrem Vater Kogoro Mori, einem erfolglosen Privatdetektiv, unter. Da Conan seinen brillanten Verstand behalten hat, löst er in seiner Freizeit regelmäßig Mordfälle. Die Lorbeeren kassiert meist Mori ein.

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Die Mangavorlage von Gosho Aoyama wurde in Japan bereits 1994 veröffentlicht und läuft immer noch erfolgreich. Die Anime-Serie zu "Detektiv Conan" von TMS Entertainment umfasst in Japan bereits über 1.000 Episoden und scheint kein Ende zu nehmen. Es werden in Conans Umgebung wohl noch viele Morde geschehen und er muss vermutlich noch lange als kleiner Junge in die Grundschule gehen, während seine Fans inzwischen schon eigene Kinder haben, die älter sind als er.

"One Piece" (Erstausstrahlung in Deutschland: 2003–heute)

© 1999 Toei Animation Co., Ltd.

"Reichtum, Macht und Ruhm. Der Mann, der sich das alles erkämpft hat, war Gold Roger, der König der Piraten." Mit diesen legendären Worten beginnt die Serie zur erfolgreichsten Manga-Reihe aller Zeiten. Die von Eiichirō Oda erschaffenen Strohhutpiraten um Monkey D. Ruffy enterten Anfang der 2000er-Jahre die deutschen Wohnzimmer. Ob aus Interesse an hitzigen Kämpfen, den eindrucksvoll-verrückten Figuren und Schauplätzen oder aus Gründen des Humors: Die Suche der Freunde nach dem sagenumwobenen Schatz "One Piece" sorgt seit jeher für Einschaltquoten, die zu den besten im Anime-Bereich gehören.

Mittlerweile hat die Serie aus dem Studio "Tōei Animation" die 1.000-Episoden-Marke übertroffen, dabei die Spannung aber nicht verloren. Wer also mal einen echten Serien-Marathon bestreiten möchte, dem sei "One Piece" ans Herz gelegt.

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"Death Note" (Erstausstrahlung in Deutschland: 2009)

Stell dir vor, dir fällt ein Buch in die Hände, durch das jede Person stirbt, die du dort mit Namen einträgst. So ergeht es dem überaus intelligenten Schüler Light Yagami, der sich fortan in Selbstjustiz übt und die brutalsten Verbrecher des Landes zur Strecke bringt. Doch das bleibt nicht ohne Folgen: Nun wird er selbst von dem genialen Ermittler "L" gejagt. Ein kluges und packendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Ein spannender, düsterer Mystery-Thriller mit vielen unvorhersehbaren und komplexen Wendungen, welche die lediglich 37 Episoden umfassende Produktion aus dem Studio "Madhouse" zu einem der wohl besten Animes aller Zeit gemacht hat – und uns zu ängstlichen Menschen, die über einen Namenswechsel nachdenken.

Weitere berühmte Anime-Serien, die in Deutschland in den 2000er-Jahren ausgestrahlt wurden: Naruto (2006–2019).

Animes in den 2010er-Jahren

"Attack on Titan" (Erstausstrahlung in Deutschland: 2016–heute)

Attack on Titan
© Hajime Isayama,Kodansha/"ATTACK ON TITAN"Production Comittee All Rights Reserved.

Es ist nicht der beste Moment, auf der Welt zu leben: Die meisten Menschen wurden von Titanen getötet und die Städte zerstört. Nun droht auch die letzte menschliche Festung von den Ungeheuern überrannt zu werden. Nur gut, dass es den jungen Eren Jäger gibt, der sich selbst in einen Titanen verwandeln und zur Verteidigung ansetzen kann. Der von den Studios "WIT STUDIO", "Production I.G." und "MAPPA" produzierte Anime "Attack on Titan" umfasst 87 Folgen und begeistert seine Fans vor allem in puncto Intensität. Er steht stellvertretend für eine neue Art dystopischer Animes der 2010er-Jahre, in denen sich die Welt am Abgrund befindet.

Weitere berühmte Anime-Serien, die in Deutschland in den 2010er-Jahren ausgestrahlt wurden: Psycho-Pass (2017–2019).

Die 2020er-Jahre:

Der Blick zurück zeigt: In jedem Jahrzehnt kamen fantastische Produktionen ins deutsche Fernsehen. Was wohl die 2020er-Jahre für legendäre Serien bereithalten? Fest steht nur: ProSieben MAXX wird die Entwicklungen weiterhin als Anime-Sender Nummer eins für euch begleiten.

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